Weshalb Eltern in der ersten Großenhainer Grundschule zum Pinsel greifen
Mittlerweile sind sie echte Profis. Die Eltern und Lehrer der ersten Grundschule Großenhain haben schließlich nicht zum ersten Mal getan, was eigentlich gar nicht ihre Aufgabe wäre.
Am vergangenen Wochenende griffen viele Mütter und Väter jedoch wieder gemeinsam mit dem Kollegium zu Farbe und Pinsel. „Wir sind unheimlich dankbar für diese Initiative unserer Eltern. Es ist keineswegs selbstverständlich, dass sie ihre Freizeit zur Herrichtung unseres Hauses opfern“, bekennt Sylvia Ufert.
Wie die Schulleiterin betont, wäre auf diese Weise aber seit Juni vergangenen Jahres entstanden, was bisher aus wirtschaftlichen Gründen nicht umgesetzt werden konnte. Seit mehr als zehn Jahren warteten jeweilige Schüler - viele haben längst die Einrichtung wieder verlassen - und Pädagogen schließlich darauf, dass das Gebäude endlich grundlegend saniert würde.
Das historische Schulgebäude von 1885 war nach der Wende 1992 saniert worden. Ein Umbau entsprechend modernster Anforderungen - 2019 hatte der Stadtrat einen sogenannten Grundsatzbeschluss gefasst – blieb indes entgegen allen Bemühungen aus.
Während es bisher noch immer keine eindeutigen Signale für eine grundhafte Sanierung gebe, ließen sich die Eltern nicht lange bitten. Nachdem im Juni und Oktober insgesamt sechs Klassenzimmer mit einem neuen Anstrich versehen worden sind, legten über 30 Mütter und Väter sowie Lehrer am letzten Märzwochenende noch einmal so richtig los. „Wir haben uns erstmalig entschlossen, gleich vier Räume auf einmal zu malern. Tatsächlich eine größere Aktion, aber dadurch, dass uns auch so viele Lehrer geholfen haben, hat alles ohne Probleme geklappt“, freut sich Elternratsvorsitzende Anja Lehmann.
Innerhalb von zwei Tagen verwandelten sie die grauweißen Wände dank der durch die Stadt finanzierten Farbe in freundliche Räume. Erstrahlen jene der Klassen für Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) jetzt in einem warmen Grün, werden sich die Drittklässler im zweiten Obergeschoss ganz sicher nun in hellblauen Räumen wohlfühlen.
Ein besonderes Problem dort sei allerdings vorher längst nicht nur die offenkundig abgewohnte Atmosphäre gewesen. „Die Ausstattung der Schule mit digitalen Tafeln ging einher mit dem Anbringen von Kabelkanälen sowie der Verkleidung von Technik mit Trockenbau. Leider haben sich die Klassenzimmer seitdem in schickem Baustellen-Look mit Trockenrohbau und großen Flächen an der Wand präsentiert“, gibt Anja Lehmann zu bedenken.
Zustände, welche so nicht hinnehmbar wären. Denn gleich nun, was langfristig mit der an sich beliebten Bildungseinrichtung geschehen werde. „Unsere Kinder lernen jetzt hier und verdienen es, dass ihnen ein Umfeld zuteil wird, wie es andere Schüler in Großenhain auch jeden Tag erleben dürfen“, erklärt Anja Lehmann.
Eine Auffassung, wie sie auch die Elternschaft beziehungsweise das Lehrerkollegium teilen und deshalb wurde ab Freitagnachmittag losgelegt. Praktisch bedeutete das: Nachdem sich die Mädchen und Jungen in das Wochenende verabschiedet hatten, sei damit begonnen worden, die betreffenden Zimmer vorzubereiten. Schränke und Regale wurden weggerückt, Tische und Stühle in die Raummitte gestellt, Lernplakate abgehängt und schließlich alles mit Malerfolie abgedeckt beziehungsweise geklebt.
Danach seien die Helfer unter Anleitung eines Vollprofis, dem freischaffenden Künstler Sebastian Bieler, welcher hier als Papa agierte, den tristen Wänden, aber auch Fenstern und Heizungsrohren zu Leibe gerückt. Kulinarisch unterstützt von der „Nudeloase“ und „Suppenmuppe“ wäre nach dem großen Saubermachen am Samstag dann alles wieder an seinen Platz geschoben worden, damit am Montag ungehindert unterrichtet werden könne.
Die letzte Aktion dieser Art, so versichern die Eltern, sei es ganz sicher nicht gewesen. Abgesehen davon, dass noch zwei Zimmer gemalert werden müssten, wäre festgestellt worden, dass ausgerechnet im LRS-Klassenraum die Beleuchtung defekt sei. Natürlich längst gemeldet, scheitere die Reparatur des Schadens an fehlenden Ersatzteilen für die schon älteren Lampen. „Hier müssen wir jetzt unbedingt ran“, sagt Anja Lehmann. Und zwar schnell.
Quelle:
Sächsische Zeitung, Verfasser: Katharina Karlshaus, veröffentlicht am 30.03.2026



